Description of Region

Mersey - England

Der Mersey entspringt im Peak District im Nordwesten von England, passiert Manchester und mündet dann in die Irische See bei Liverpool. Der Mersey hat eine Gesamtlänge von 110 km, davon sind 26 km Teil des Ästuars. Insgesamt ist der Mersey mit seinen Nebenflüssen 1.700 km lang und das Einzugsgebiet umfasst eine Fläche von 4.680 km².

Der Mersey geht aus dem Zusammenfluss der Flüsse Tame und Goyt in der Stadtmitte von Stockport im Nordwesten Englands hervor. Von dort aus fließt er nach Westen in Richtung Liverpool, dabei passiert er Manchester im Süden und fließt weiter nach Warrington, wo der Mersey im Anschluss an das Howley Stauwehr von den Gezeiten beeinflusst wird und das Ästuar beginnt. Der Fluss weitet sich auf und formt das Binnenästuar bei Runcorn. Dort mündet der schiffbare Fluss Weaver in den Mersey.

Das Ästuar des Mersey fließt weiter durch die so genannten ‘Engen’; der Mersey hat dort ein gerades enges Flussbett mit Böschungstiefen von bis zu 30 m. Das Flussbett ist durch den Wechsel der Geologie gekennzeichnet. Im Bereich der Bucht von Liverpool, wo der Mersey in die Irische See fließt, wird das äußere Ästuar durch Kies- und Schlammbänke geformt. Der Mersey ist ein von den Gezeiten geprägter Fluss, er hat den zweit größten Tideeinfluss in Großbritannien mit einem Schwankungsbereich von bis zu 10 m. Diese starken Gezeiteneinflüsse haben tiefe Kanäle und Sandbänke im ganzen Ästuar des Mersey geschaffen, die das Befahren des Flusses sehr schwierig machen können.

Der Name ‘Mersey’ ist aus dem Altenglischen ‘Maere’ hervorgegangen, was so viel heißt wie Grenze. Der Mersey war geschichtlich die Grenze zwischen dem sächsischen Königreich Mercia und Nord-Umbrien.

Im Einzugsgebiet des Mersey gibt es einige Seen und Stauseen sowie mehrere Kanäle.

Die Landnutzung im Einzugsgebiet ist sehr verschieden. An der Quelle des Flusses ist offenes Heideland zu finden, welches als Weide für Schafe genutzt wird. Ein großer Teil des Einzugsgebietes ist besiedelt, dort fließt der Mersey in vielen Abschnitten in unterirdischen Kanälen. In den tiefer gelegenen Teilen des Einzugsgebietes finden sich landwirtschaftlich genutzte Flächen und bewaldete Gebiete, ebenso fließt der Fluss durch einige Städte.

 
Fluss Mersey

Mit der Eröffnung der ersten Hafenanlage 1715 ist Liverpool zu einem wichtigen Industriestandort geworden. Die Einführung des mechanisierten Spinnens und Webens führte dazu, dass neue Fabriken in der Region entlang von Gewässern errichtet wurden. Bedingt durch die Textilindustrie war ein Zuwachs von Fabriken zum Bleichen, Färben und zur Veredelung sowie Chemiewerke zu verzeichnen. Mit dem Wachstum der Textilindustrie war das Wachstum der Papier-, Chemie- und Glasindustrie verbunden. Noch bis heute sind viele dieser Fabriken in Betrieb. Die an den Flüssen angesiedelte Industrie benutze die Gewässer zur Einleitung ihres Abwassers. Dies hat zu einer Anreicherung von zahlreichen Schadstoffen im Mersey geführt, darunter sind ebenfalls sehr giftige Substanzen wie z.B. Quecksilber, Pestizide wie DDT und schwer abbaubare organische Fremdstoffe, wie PCBs (polychlorinated biphenyls) und PCP (pentachlorophenol). Als Relikte der industriellen Vergangenheit, sind im Mersey mehr als 900 Wehre zu finden.

Parallel zum Wachstum der Industrie ist auch die Einwohnerzahl im Einzugsgebiet gestiegen. Heute leben ca. 5 Millionen Einwohner im Mersey-Einzugsgebiet. Zusätzlich zu den Abwässern aus der Industrie hat man früher auch das häusliche Schmutzwasser direkt in die Flüsse eingeleitet, die Folge war eine erhebliche Verschmutzung der Gewässer. Stufenweise wurde ein Punkt erreicht, wo die Kapazität der Umwelt die eingeleiteten Schadstoffe abzubauen, zu verdünnen und zu verteilen ausgeschöpft war.

1985 im Gründungsjahr der Mersey Basin Campaign war das Ästuar des Mersey das am meisten verschmutzte in ganz Großbritannien, da ca. 60% des Abwassers von Industrie und Bevölkerung von 5 Millionen Einwohnern in den Mersey geleitet wurden. Dies war der Anlass die Mersey Basin Campaign zu gründen. In den letzten Jahren hat sich die Wasserqualität des Mersey als Ergebnis von Initiativen wie der Mersey Basin Campaign und strengeren EU-Vorgaben, aber auch durch technologische Veränderungen und Fortschritte in der Wissenschaft, verbessert.

Bei den Bestrebungen den weniger beneidenswerten Titel als den Fluss mit dem höchst verschmutztesten Ästuar in Europa abzulegen, wurde 1981 von der Organisation North West Water ein Säuberungsprogramm entwickelt, um den Jahren des Missbrauchs und der Vernachlässigung des Mersey entgegen zu wirken. Bei der Betrachtung der Hauptprobleme des Mersey, kam heraus, dass der Sauerstoffgehalt im Flusssystem und im Ästuar des Mersey auf Grund der hohen Einleitungen von Schmutzwasser sehr niedrig war.

Einer der ersten Schritte war, das Problem der direkten Einleitung von ungeklärtem Schmutzwasser in die Gewässer der Region anzupacken. Durch ein spezielles Programm zur Minderung der Schadstoffe im Ästuar des Mersey wurde in Sandon Dock eine Abwasserbehandlungsanlage erbaut, diese reinigt das Schmutzwasser von 28 Einleitern, die zuvor ungeklärtes Abwasser direkt in den Mersey eingeleitet haben. Dies ist nur eines von vielen Programmen die von North West Water (heute United Utilities) initiiert wurden, ebenso wurden erhebliche Investitionen im Bereich der Abwasserbehandlung und des Rohrnetzes getätigt.

Eine weitere Verbesserung bei der Reinigung von Abwasser war die Einführung von der dritten Reinigungsstufe durch die auch Ammoniak aus dem Abwasser entfernt werden kann. Wenn Salmoniden nur kurze Zeit mit Ammoniak in Berührung kommen, können sie sterben. In der Abwasserbehandlungsanlage Davyhulme, im Großraum Manchester wird durch einen natürlichen Reinigungsprozess mit speziellen biologischen Filtern das Ammoniak herausgefiltert und damit die Einleitung von Schmutzwasser in den Schiffkanal von Manchester reduziert.

Die Gewässer im Einzugsgebiet des Mersey sind von hoher Bedeutung für den lokalen Naturschutz, wobei einige Orte auch Bedeutung für den nationalen und internationalen Naturschutz haben. Das Ästuar des Mersey ist wegen seines Wertes für den Naturschutz und speziell für Vögel sowohl als spezielle Schutzzone (SPA) und Ramsar Ort ausgewiesen worden als auch als Gegend von speziellem wissenschaftlichen Interesse (SSSI).

Das Ästuar des Mersey ist als SPA ausgewiesen worden, da es eine Reihe unterschiedlicher Habitate bietet, die wiederum Lebensraum für Tausende von überwinternden Wildvögeln und Watvögeln sind.

Durch die Verbesserung der Wasserqualität des Mersey gibt es wieder eine Reihe von wandernden Fischarten wie z.B. den Lachs im Fluss. Im Mersey kommen unter anderem Lachs, Forelle, Neunauge und Hasel vor. Der Anstieg der vorkommenden Fischarten im Fluss hat zur Folge, dass auch andere Tierarten wieder an das Ästuar und den Fluss zurückkehren, unter anderem Schweinswale, graue Robben und selbst Tintenfische.

Im besiedelten Teil des Einzugsgebietes des Mersey, hauptsächlich im oberen Teil des Mersey und des Flusses Irwell, finden sich ebenfalls verschiedene Habitate und Lebensgemeinschaften. Jedoch sind viele der Habitate von Menschen geschaffen oder verändert worden, wie zum Beispiel Teiche und Kanäle.

weitere Informationen:

Internetseite der Environment Agency
http://www.environment-agency.gov.uk/regions/northwest/

River Room vom Museum in Liverpool
http://www.liverpoolmuseums.org.uk/liverpoollife/collections/riverroom/

Greenwood, E.F. (ed.) (1999) Ecology and Landscape Development: A History of the Mersey Basin. Liverpool University Press, Liverpool.


Mersey Basin Campaign
University of Manchester
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last update  13.01.2006   info@enmar.org